GesundheitsNetzwerk Transidentität

Wenn Menschen Rat und Unterstützung suchen, um den Konflikt zu bearbeiten, den sie
zwischen ihrer körperlichen (biologischen) Geschlechtszugehörigkeit und ihrer eigenen
Geschlechtswahrnehmung (psychische Geschlechtsidentität) spüren, sind sie oft hilflos
und überfordert bei ihrer Suche nach geeigneten Anlaufstellen. Möglicherweise wenden
sie sich an Kolleg*innen, die in diesem Bereich ohne Erfahrung sind und sie nicht
ausreichend behandeln/begleiten können, oder sie stehen lange Zeit auf Wartelisten und
ihr psychischer Zustand verschlechtert sich dadurch noch zusätzlich. Manche
Ratsuchende erhalten sogar eine eher kontraproduktive Behandlung, die sie über lange
Zeit in ihrer Entwicklung zurückwerfen kann.

Durch den kollegialen Austausch im Rahmen unseres Interdisziplinären Qualitätszirkels
Transidentität (seit 2010) sind wir immer wieder auch mit solchen Problemen und
individuellen Schicksalen konfrontiert worden. Es entstand die Idee, ein Netzwerk zu
schaffen, in dem sich Kolleg*innen zusammenschließen, die in ihrer Arbeitsweise und in
ihren Qualitätsstandards ein ähnliches Vorgehen vertreten und die dieses an den
aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten. Innerhalb dieses Netzwerks
sollen die Ratsuchenden eine möglichst optimale Begleitung bei ihrem Prozess der
Selbstfindung, des evtl. Coming-Outs, der psychosozialen Lebbarkeit ihrer individuellen
geschlechtlichen Identität, sowie ihres evtl. Transitionsprozesses erhalten.

In diesem Sinne wurde 2012 vom Centrum für SexualWissenschaft (CSW) e.V. ein
Vernetzungs-Forum unter dem Namen Behandler*innen-Netzwerk Transidentität
eingerichtet, das im November 2015 in GesundheitsNetzwerk Transidentität (GNTI)
umbenannt wurde.

Da nur ein Teil der Berliner Kolleg*innen, die entsprechende Angebote für transidenten
Menschen machen, in unserem Qualitätszirkel Transidentität mitarbeitet, sollten mit
diesem Netzwerk darüber hinaus auch weitere Berliner – und auch Brandenburger –
Kolleg*innen erreicht und eingebunden werden,
⦁ die psychologisch, medizinisch, sozialpädagogisch zu diesem Themenfeld arbeiten;
⦁ oder die Teilbereiche oder einzelne Aspekte der Versorgung von trans- oder
intergeschlechtlichen Patient*innen abdecken (also z.B. auch Logopädie, Epilation,
gynäkologische oder urologische Behandlung usw.);
⦁ und die aus örtlichen, zeitlichen oder sonstigen Gründen (z.B. weil die keinen
Schwerpunkt in diesem Bereich haben oder nur wenige transidente Patient*innen
versorgen) sich nicht zu einer regelmäßigen Mitarbeit in unserem Qualitätszirkel
verpflichten wollen, aber an einem Austausch und an einer Vernetzung mit den anderen
Kolleg*innen in diesem Arbeitsbereich interessiert sind.

Ziel ist es, diese Kolleg*innen an einen Informationsfluss anzubinden und miteinander zu
vernetzen, sowie Möglichkeiten eines gemeinsamen Erfahrungsaustausches und einer
(kollegialen) Weiterbildung anzubieten.

Als weiteres Ziel will das GesundheitsNetzwerk Transidentität (GNTI) unter den
Kolleg*innen eine gemeinsam abgestimmte Vorgehensweise (Standards) bei der
Behandlung und Begleitung transidenter Patient*innen vereinbaren, und innerhalb der
jeweiligen Fachgebiete die Entwicklung allgemein akzeptierter Behandlungsrichtlinien für
transidente Patient*innen vorantreiben und befördern.

Dies vollzieht sich nicht zuletzt auf dem Hintergrund der in diesem Bereich noch
geltenden Richtlinien der Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDKen), die sich
jedoch an der spezifischen Ausgangssituation und dem höchst unterschiedlichen
Unterstützungs- oder Behandlungsbedarf der jeweiligen Ratsuchenden / Patient*innen
orientieren sollten.

Im diesem Rahmen treffen wir uns (bisher jährlich) auch mit den für diesen Bereich
zuständigen Gutachter*innen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Berlin-
Brandenburg e.V. (MDK), die für die Bewilligung von Anträgen auf
geschlechtsangleichende Maßnahmen verantwortlich sind. Ziel dieses Information-,
Erfahrungs- und Meinungsaustauschs ist es, die Versorgungsqualität für transidente
Menschen in Berlin und Brandenburg zu verbessern.

Ebenso fanden bisher Treffen mit den für das „Transsexuellengesetz“ (TSG) in Berlin und
in Brandenburg zuständigen Amtsrichterinnen statt. Auch hier hat unser gemeinsamer
Erfahrungsaustausch mit dazu beigetragen, dass sich die von den transidenten
Antragsteller*innen als belastend erlebte Situation des gerichtlichen Procederes und der
Begutachtungen verbessert hat.

Neben der Mitwirkung an der konkreten Verbesserung der Versorgungssituation und
Behandlungsqualität von transidenten Menschen in Berlin und Brandenburg, beteiligt
sich das GesundheitsNetzwerk Transidentität gelegentlich auch an übergreifenden
(gesundheits-) politischen und (sozial-) rechtlichen Diskussionen, die ebenfalls zu solch
einer Verbesserung beitragen könnten.

GNTI-Broschüre Juni 2018 Deckblatt

 

 

 

Die Mitglieder des Berliner GesundheitsNetzwerk Transidentität stellen sich und ihre Angebote vor — Stand Juni 2018 (gedruckte Broschürenversion)

Kontakt:

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